Historikerin und Memorial-Mitbegründerin Scherbakowa kennt sich aus mit autoritären Systemen. Kremlchef Putin regiere nach dem Mafia-Prinzip, sagt sie. Alles hänge an ihm. "Das kann dazu führen, dass, wenn irgendetwas mit dieser Person geschieht, alles anfängt zu zerfallen."
Nach Einschätzung der russischen Bürgerrechtlerin Irina Scherbakowa ist Russland unter Kremlchef Wladimir Putin weniger stabil als die frühere Sowjetunion. Das sowjetische System sei am Ende morsch und unglaubwürdig gewesen, doch es habe klare Regeln für die Staatsführung, die Kommunistische Partei und die Verwaltung gegeben, sagte die Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial in Berlin. "Das hat Putin alles nicht."
Dessen System sei autoritär und richte sich "nach dem Mafia-Prinzip, nach der persönlichen Treue", sagte die 76-jährige Scherbakowa der Deutschen Presse-Agentur. Alles hänge an Putin. "Und das kann dazu führen, dass, wenn irgendetwas mit dieser Person geschieht, alles anfängt zu zerfallen."
Sie rechne aber auch nach fast vier Jahren Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht mit einem raschen Zusammenbruch von Putins Herrschaft. "Die Krise wird immer stärker, trotzdem hat das Land noch Kapazitäten, und die Macht hat Kapazitäten. Der Sicherheitsapparat ist sehr stark."

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